Strategische Asset-Allocation der Eigenanlagen
20.06.2024

Strategische Asset-Allocation der Eigenanlagen – Impulse für die Gesamtbanksteuerung

Im Interview geht Jens Knippen, Bereichsleiter Gesamtbanksteuerung der Kreissparkasse Düsseldorf darauf ein, wie die Sparkasse die Eigenanlagen auf eine breitere Basis gestellt hat und welchen Mehrwert dabei eine integrierte Betrachtung von Risiko und Ertrag liefern konnte. Darüber hinaus beleuchtet er die zukünftigen Herausforderungen in der Eigenanlage und stellt dar, wie diese gelöst werden können.

Strategische Asset-Allocation der Eigenanlagen

In Folge der Krisen der letzten Jahre und damit u.a. Inflation und steigenden Zinsen sind wir faktisch in ein neues Anlageregime gewechselt. Dies führte zu einer Neubewertung der Assetklassen sowie einem neuen Wettbewerb zwischen den Assetklassen. Welche Konsequenzen ergeben sich hieraus für Ihre Anlagepolitik?

Wir haben die geänderten Rahmenbedingungen zum Anlass genommen, die bisherige Planallokation anlassbezogen zu aktualisieren bzw. zu hinterfragen. Mittels der AssetAllocationPlus Studie konnten wir verschiedene mögliche Positionierungen analysieren und nachfolgend die sich daraus ergebenen Impulse hausintern kritisch diskutieren. Als Ergebnis werden wir beispielsweise als eine neue Assetklasse Renten Emerging Markets vorsehen, sodass wir hier auch kurzfristig einen NPP planen.

Es ist zu beobachten, dass zum Teil hohe Liquiditätsbestände bei der EZB „geparkt“ werden. Was spricht aus Ihrer Sicht gegen bzw. was für eine Investition der Liquidität sowie eine Rückkehr zur strategischen Asset Allocation, insbesondere im Hinblick auf die zu erwartende erste Zinssenkung der EZB in diesem Sommer?

Hier ergaben sich in der vorgenannten Studie ebenfalls interessante Impulse in der Art, dass ein Halten von Liquidität über die aufsichtlich notwendigen Mindestvolumina mittelfristig nicht empfohlen wurde. Das verwundert natürlich nicht, da ein gefühlter „free lunch“ am kurzen Ende ohne vermeintliche Risiken ein Beibehalten der inversen Kurve bedürfen würde. Wir sehen uns aber als Sparkasse nicht als Investor, der auf eine bestimmte Zinsentwicklung spekuliert. Entsprechend bevorzugen wir eine neutrale und passive Positionierung.

Auf der anderen Seite erachten wir den Aspekt der verfügbaren Liquidität in Bezug auf die geänderten Rahmenbedingungen durchaus als relevant. Inwieweit die Kreditnachfrage ggf. wieder mit einer etwaigen Normalisierung am Wohnungsbaufinanzierungsmarkt anspringt oder Aspekte wie die Transformationsfinanzierung sich kurzfristig ebenfalls nennenswert auf die Kreditnachfrage auswirken, ist für uns derzeit noch nicht abschließend beurteilbar.

Wenn sich unser Leser fragen sollten, was Ihr Mehrwert aus der letzten Asset-AllocationPlus Analyse in der aktuellen Ausgangslage war, was würden Sie antworten?

Dies sind mehrere Aspekte. Neben dem bereits angesprochenen geplanten NPP für eine neue Assetklasse sehen wir uns in der grundsätzlichen strategischen Ausrichtung der Kapitalallokation bestätigt. Dies ist natürlich beruhigend. Den größten Mehrwert sehe ich aber in der integrierten Betrachtung sowohl des Risikos als auch der Performance, insbesondere da die Performance bzw. der Ertrag in den Systemen der bereits eingeführten neuen Banksteuerung derzeit wahrlich nicht im Fokus stehen. Hier ermöglichen uns die Ergebnisse und Daten der AssetAllocationPlus – salopp gesagt – einfach eine wesentlich dezidiertere und fachlichere hausintere Diskussion.

 

Jens Knippen

Den größten Mehrwert sehe ich in der integrierten Betrachtung sowohl des Risikos als auch der Performance, insbesondere da die Performance bzw. der Ertrag in den Systemen der bereits eingeführten neuen Banksteuerung derzeit wahrlich nicht im Fokus stehen.

Jens Knippen

Leiter Gesamtbanksteuerung Kreissparkasse Düsseldorf

Sie haben bereits mehrere AssetAllocationPlus Studien durchgeführt. Welche Impulse haben Sie hieraus jeweils mitgenommen und welche Veränderungen auf die Eigenanlage haben sich im Laufe der letzten Jahre u.a. hierdurch ergeben?

Wir haben unsere Eigenanlagen auf eine viel breitere Diversifikation mit mehreren Assetklassen ausgerichtet. So haben wir die Assetklassen Aktien und Immobilien(-fonds) strategisch besetzt und für die Assetklasse der Unternehmensanleihen auch nennenswerte Änderungen herbeigeführt. Vereinfacht könnte man sagen, dass wir jetzt deutlich breiter und globaler aufgestellt sind.

Was sind aus Ihrer Sicht die markantesten Auswirkungen der neuen Gesamtbanksteuerung z.B. auf die Risikotragfähigkeit und die Eigenlangen?

Auch hier sind es wieder mehrere Aspekte. Positiv ist beispielsweise zu nennen, dass erstmalig die in Bezug auf das Risiko positiven Auswirkungen von Korrelationen in der Risikotragfähigkeit berücksichtigt werden können. Dies freut uns sehr, bestätigt bzw. honoriert es doch eine breitere Diversifikation. Eigentlich das, was wir im Kundengeschäft auch immer unseren Kunden bei einer strukturierten Vermögensanlage empfehlen.

Auf der Schattenseite bedeutet dies aber auch, dass Assetklassen, bei denen noch keine Korrelationsparameter seitens des zentralen Dienstleisters vorliegen, grundsätzlich einen „Malus“ der nicht vollständigen Abbildung aufweisen. Assetklassen, die überhaupt noch nicht in den neuen Systemen abgebildet werden können, haben wir beispielsweise auch per se ausgeschlossen.

Nichts ist so beständig wie der Wandel: Die regulatorischen Rahmenbedingungen stellen Finanzinstitute und Investoren kontinuierlich vor große Herausforderungen. Was sind nach Ihrer Sicht die aktuellen Implikationen, die Sie in der Sparkasse gerade beschäftigen?

Der Aspekt von ESG ist hier sicherlich zu nennen. Neben den aufsichtlichen Anforderungen, die weiter zunehmend an Bedeutung gewinnen beschäftigen wir uns mit der Frage, inwieweit es betriebswirtschaftlich sinnvoll ist, ein Portfolio konsequent jetzt schon „vollständig“ auf Nachhaltigkeit auszurichten? Aus meiner Sicht sind die vorliegenden ESG-Ratings oder auch die Zeitreihen hierfür noch nicht aussagefähig genug, wie es oft auf dem ersten Blick suggeriert wird. Auch sind in der Vergangenheit erfolgreiche quantitative Modell und Ansätze, wie zum Beispiel „low risk“, noch nicht ausreichend integriert und verzahnt mit dem Aspekt ESG.

Was sind für Sie die zentralen Zukunftsthemen für eine erfolgreiche Banksteuerung?

An der Stelle sei ein Aspekt genannt, der vielleicht aufgrund der häufigen Konzentration auf fachliche Themen noch nicht so im Fokus steht: der Aspekt der Demographie bzw. die Herausforderung zukünftig hausintern auch genügend qualifizierte Mitarbeitende und somit Know-how vorhalten zu können. Wir als Haus sehen uns diesbezüglich gut aufgestellt, sind uns aber auch bewusst, dass die Beibehaltung des Status-quo auch herausfordernd bleibt.

Herr Knippen, vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Dr. Christian Schwarz.

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